Amalie von Dessau-Anhalt (7.12.1720 - 5.12.1793)
Henriette Amalie
von Anhalt-Dessau, Tochter des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau, wuchs
eingebunden in höfische Konventionen auf. Die Geburt eines unehelichen Sohnes
und die Weigerung, dessen Vater zu heiraten, führten 1741 zur Verbannung.
Während der folgenden elf Jahre lebte sie als Kanonissin in dem freiweltlichen
Fräuleinstift in Herford. Vermutlich um in der Nähe ihres Sohnes zu sein, der
zu einer Frankfurter Bankiersfamilie in Pflege gegeben worden war, erwarb Amalie
1753 in Frankfurt-Bockenheim ein Anwesen. Weitere Grundbesitzerwerbungen
folgten, wozu in Kreuznach auch das Rittergut Bangert gehörte. Anstelle des
alten Herrenhauses ließ sie ein
Schlösschen (heute
Schlossparkmuseum) im
klassizistischen Stil errichten, das um 1775 vollendet war.
Amalie bewirtschaftete ihre ausgedehnten Güter selbst, sie war eine begeisterte Landwirtin, offen für Reformen und penibel in der Buchhaltung. Sie ließ Spargelkulturen, Obst– und Gemüseplantagen sowie Maulbeerplantagen für die Seidenraupenzucht anlegen und veranlasste auf ihren Gütern sowohl Schafhaltung als auch Rinderzucht. In Kreuznach entdeckte sie zudem ihre Passion für den Weinbau.
Durch sparsames Wirtschaften und finanziellen Weitblick schuf sie die Basis für ein unabhängiges und standesgemäßes Leben.
Die Interessen der Prinzessin beschränkten sich nicht auf die Landwirtschaft. Sie legte Naturalienkabinette an und trug im Laufe ihres Lebens eine bedeutende Bücher- und Kunstsammlung zusammen.
Seit ihrer Herforder Zeit lebte sie mit dem um fünfzehn Jahre jüngeren Baron von Rackmann zusammen, der durch ihre Intervention in den Reichsgrafenstand als Baron von Bangert erhoben wurde. In seine Hände gingen nach Amalies Tod die Besitzungen in Kreuznach und Frankfurt über.
Amalie starb 1793 in Dessau, wohin sie 1790 mit ausdrücklicher Genehmigung des Fürsten Franz zurückgekehrt war.
Ihr Vermögen vermachte sie den Armen, Alten und Kranken ihrer Heimatstadt. Außerdem verfügte sie, dass ihre Sammlung von 700 Gemälden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte: „Auch soll niemand verwehrt seyn, die auf solche Art im Kleinen Schloss eingerichtete Galerie und Sammlungen zu bestehen.“
Willenskraft, mut
und Großzügigkeit zeichnen diese Prinzessin aus, deren Lebensmotto
„L‘oublier c‘est le seul moyen“ (Vergessen ist das einzige Mittel)
lautete.
Angela Nestler-Zapp